Lang lang ists her. Meine ersten Gehversuche am Computer machte ich Ende der 1980er Jahre an einem Amiga 500. Auch wenn sich die ersten Kontakte (natürlich) auf Spiele beschränkten, hat mich das Thema damals direkt begeistert. Nach einer Pause bis zum Anfang der Neunziger, ging die Entwicklung schnell: vom Amiga 600 (1992) über einen ganzen Haufen PCs bis zum aktuellen Core i7 von 2021. Und doch sind mir die Rechner von Commodore nie so ganz aus dem Kopf gegangen.
Im letzten Jahr bin ich auf einem Kleinanzeigenportal durch Zufall über einen A500 gestolpert. Eigentlich wollte ich schon länger einen haben, konnte mich jedoch nie dazu durchringen mal einen zu kaufen, nicht zuletzt mit Blick auf die Preise, die seit einigen Jahren absurd hoch sind. Das Angebot las sich gut – ein funktionierender Amiga 500 mit Zubehör, die Bilder sahen ganz ordentlich aus, der Preis war sehr gut. Da das Gerät direkt in der Umgebung angeboten wurde bin ich also abends hingefahren um mir das Gerät anzusehen.

Der erste Eindruck war gut und die LEDs für Stromversorgung und Diskettenlaufwerk funktionierten. Eine Diskette schien auch, vom Geräusch her, gelesen zu werden. Mangels Monitor konnte ich nicht weiter prüfen. Also mit dem Verkäufer noch das Zubehör sondiert und eingetütet, was zum Amiga gehörte.
Zuhause konnte dann einige Tage später auch ein richtiger Test erfolgen. Über den A520 Adapter konnte ein Composite-Monitor angesteuert werden, das Kickstart-Logo wurde gezeigt, Funktion i.O.!

Blieb also nur noch die Workbench zu starten und schauen, ob das Gerät soweit funktioniert. Tut es :)
Abschließend habe ich noch die sog. Trapdoor-Klappe am Boden geöffnet, um mal einen schnellen Blick reinzuwerfen. Wie erwartet, war eine 512K Speichererweiterung mit batteriegepufferter Echtzeituhr verbaut. Und hier gab es ein Problem. Der verbaute VARTA-Akku (war es ein Akku?) hatte bereits begonnen auszulaufen. Auch das ist erstmal nichts, was mich jetzt überrascht hätte, vom A600 war ich deutlich schlimmeres gewohnt (dazu irgendwann mehr). Also habe ich die Speichererweiterung ausgebaut, kurzerhand den Akku runtergelötet und dann die Platine gründlich mit Essig und Isopropanol gereinigt. Alles wieder eingabaut und auf Funktion geprüft, läuft.
Das folgende Jahr stand das Gerät ersteinmal an der Seite, bis ich es jetzt mal wieder angeschlossen hatte. Ich hatte schon länger vor das Gerät einmal zu öffnen um reinzuschauen, habe das dann erstmal gelassen, weil beim A500 auch erstmal keine „kritischen“ Bauteile zu erwarten sind (SMD-Elkos, Akku/Batterie o.ä.).
Nach dem Öffnen war ich dann doch einigermaßen überrascht. Anhand der Typplakette war schon klar, daß es sich um einen der jüngeren A500 handeln musste.

- Kickstart 1.3
- 512 KB RAM
Also das Gehäuse geöffnet und das Schirmblech entfernt. Dieses war in einem erstaunlich guten Zustand, kein Rost (auch hinten an den Anschlussblechen gab es keinen), keine abgebrochenen Laschen, nichts.
Unter dem Schirmblech habe ich dann etwas stutzen müssen:

Irgendwas passt doch da nicht. A500+? Rev 8a? Ich war verwirrt. Bisher dachte ich, der A500+ wurde mit Kickstart 2.0 und 1MB RAM ausgeliefert. Mein Gerät aber definitiv nicht. Ich glaube auch nicht, daß der Vorbesitzer daran rumgebastelt hat. Also habe ich erstmal das Board in Augenschein genommen. Kein Akku und keine Indizien für eine Schaden aufgrund ausgelaufenen Elektorlyts:
Ebenfalls fehlt der Chip für die Echtzeituhr. Seltsam. Oder auch nicht. Nach einiger Recherche zeigt sich, daß die Rev 8a Boards mit exakt diesen Spezifikationen verbaut wurden.
Etwas aus der Reihe tanzt Denise. Wenn wir unterschiedlichen Quellen glauben, sollte ein Rev 8a Board mit einem ECS Chipsatz ausgeliefert worden sein. Folglich wäre ein 8375 BigFatAgnus und ein 8378 (Super) Denise Chip zu erwarten gewesen.
Der 8375 Agnus ist vorhanden, also dürfte der A500 bis zu 2MB ChipRAM verwalten können! Bei Denise sieht die Sache anders aus. Hier ist „nur“ der 8362R8, also der OCS-Chip verbaut. Etwas wirr, soll aber in einigen Fällen tatsächlich so ausgeliefert worden sein. Mach am Ende auch nichts, funktionierten tut alles wie es soll, auch wenn es am Ende ein etwas seltsames OCS/ECS Hybrid-System ist.
Insbesondere mit Blick auf mögliche Erweiterungen sollen die Rev6a und 8a Boards deutlich besser geeignet sein als ältere Versionen. Auch wenn ich den A500 eigentlich im Originalzustand lassen möchte, ist das gut zu wissen :)
Mehr zu tun gab es an dieser Stelle nicht. Also habe ich das Board, Schirmblech, die Tastatur und das Gehäuse noch gründlich gereinigt und wieder zusammengebaut.
Fazit: Scheinbar habe ich hier einen Glückstreffer erzielt. Das Gerät funktioniert einwandfrei und präsentiert sich in einem guten optischen Zustand. Es waren keinerlei dringende Arbeiten erforderlich, wenn man von der Speichererweiterung absieht.
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